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Prof. Rieth: Infektionen durch Hefepilze |
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Die veränderte Lage
Hefepilze, die die zunächst versteckte Fähigkeit haben,
tödlich verlaufende Krankheiten zu verursachen, werden heute im
Zeitalter von AIDS anders eingestuft als noch vor wenigen Jahren. Der
Fortschritt in der Behandlung von Blutkrankheiten, bösartigen
Geschwülsten wurde möglich, als es gelang, die Immunabwehr
weitgehend auszuschalten. Das gleiche Prinzip machte Organverpflanzungen
überhaupt erst erfolgreich, da es nun nicht mehr zum Abstoßen
der verpflanzten Organe kam.
Die erwarteten Dauererfolge wurden jedoch in allzuvielen Fällen
nicht erreicht, weil unerwarteterweise - scheinbar plötzlich -
Pilzinfektionen das Leben der fast schon Genesenen auslöschten.
Die vorübergehende Besserung war zu teuer erkauft.
Hefepilze hatte man bis dahin nicht recht ernstgenommen. Man wußte
zwar schon längst, daß nach antibakterieller antibiotischer
Behandlung gar nicht selten Pilzinfektionen auftreten. Man hatte sich
auch daran gewöhnt, daß länger dauernde Behandlung mit
Nebennierenhormonen die Pilzvermehrung begünstigte. Eine radikale
Umstellung in der Bewertung der Pilze hatte dies aber noch nicht zur
Folge. Die Liste der begünstigenden - prädisponierenden -
Faktoren war etwas länger geworden. Außerdem wurde Ausschau
gehalten nach Medikamenten, die den Patienten rasch von allen Pilzen
befreien sollten, selbstverständlich systemisch wirksam, das heißt
nach Einnehmen oder nach Injektion soll es überall zum Verschwinden
der Pilze kommen.
Es war eine Illusion. Man hatte nämlich nicht begriffen, daß
die lebensgefährlichen Hefepilzinfektionen vorwiegend vom
Orogastrointestinaltrakt ausgehen, einfacher gesagt: aus der
Mundhöhle, der Speiseröhre, dem Magen und Darm erfolgt der
Nachschub. Die Hohlräume im Verdauungskanal sind aber Außenwelt,
innere Außenwelt. Solange der Nachschub aus diesen Reservoiren nicht
restlos gestoppt wird, sind alle Risiko- und Hochrisikopatienten in
steter Gefahr.
Alle Fieberkranken, die antibakterielle antibiotische Behandlung erhalten
und nicht sofort auf Pilzbefall untersucht werden, können durch die
nicht entdeckten, und. zunächst noch nicht einmal vermuteten Pilze
zusätzlichen Schaden nehmen.
Seitdem die Methoden verbessert wurden, Pilze bei den verstorbenen Patienten
in den Organen nachzuweisen, kann man überblicken, wie häufig
bestimmte Hefepilze die eigentliche Todesursache waren. Die Zahlen bewegen
sich allein in Deutschland pro Jahr um die Zehntausend.
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Die Einsicht wächst
Die Hoffnung, eine schwere Pilzsepsis noch erfolgreich behandeln zu
können, ist in den letzten Jahren größer geworden.
Die Frage ist aber: Warum warten, bis es zur Sepsis kommt? Warum nicht
die Pilze bekämpfen, solange sie noch in kleiner Zahl in ihren
Schlupfwinkeln verharren? Ist es zu verantworten, abzuwarten, bis ganz
sicher nachgewiesen ist, daß Leber, Herz, Gehirn oder Augen von
Pilzen beschädigt sind?
Heute wächst die Einsicht, daß man unterscheiden muß
zwischen Hefepilzen, die nützlich sind wie Backhefe, Bierhefe,
Weinhefe, Wursthefe oder Kefirpilz, und solchen, die unter bestimmten
Bedingungen das menschliche Gewebe angreifen und zerstören können.
Die Voraussetzungen in zahlreichen Laboratorien sind heute dafür
gegeben. Jeder Laie kann einsehen, daß die Entscheidung zwischen
Champignon und grünem Knollenblätterpilz zwingend geboten ist,
will man Unheil verhindern. Gleiches gilt auch für die Mikropilze.
Sie sehen sich so ähnlich wie ein Ei dem andern, und es bedarf
einer speziellen Ausbildung, die krankmachenden von den nichtkrankmachenden
zu unterscheiden.
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Inkubationsstadium, stumme Infektion
Bei oberflächlicher Betrachtung wird sehr oft darauf hingewiesen,
völlig gesunde Menschen könnten in der Mundhöhle oder
im Darm Candida albicans aufweisen, ohne daß es ihnen schade.
Hierzu ist zu sagen: Bei jeder Infektion gibt es zwischen der Ansteckung
und dem Ausbruch von Krankheitserscheinungen eine unterschiedlich lange
Zeitspanne, in der sich scheinbar gar nicht Besonderes abspielt. Man
nennt dies die Inkubationszeit, die "Bebrütungszeit".
Man spricht auch von "stummer Infektion", nichts
"spricht" für Krankheit. Bei der Syphilis dauert die
Inkubationszeit 2o Tage. Erst dann treten Hauterscheinungen auf.
Bei anderen Krankheiten kann die Inkubationszeit sehr lange dauern.
Bei Infektionen durch Hefepilze hat man sich bisher mit diesen Fragen
kaum auseinandergesetzt. Die Meinungen, die geäußert werden,
sind eben nur Meinungen, d.h. es kann auch anders sein.
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Latenzstadium
Latent heißt "verborgen". Auch diesen Begriff kennt man
von verschiedenen Infektionskrankheiten. Wieso soll dies für
Pilzinfektionen nicht gelten? Die Krankheitserscheinungen sind in diesen
Fällen sehr diskret, oder sie werden ganz anders gedeutet und nicht
ursächlich behandelt. Beispiel: Gasbildung im Verdauungstrakt.
Entweder werden die Betroffenen, die sich mitunter arg quälen,
als Luftschlucker bezeichnet, man könnte manchmal sagen
"diskriminiert", oder man verweist auf Luther, der sich in
diesem Zusammenhang auf Geschmacksfragen bezog. Symptomatisch versucht
man, die Gasbildung durch Beeinflussung der Gasblasengröße
erträglicher zu machen.
Frage: Wieso werden die gasbildenden Gärungshefen nicht
ursächlich angegangen? Candida albicans vergärt Traubenzucker
und Malzzucker, Candida trovicalis außerdem Rohr- und Rübenzucker.
Dies bleibt dem Blick verborgen. Im Latenzstadium kann manches geschehen,
was überhaupt nicht auf die Infektion bezogen wird. Die
Fernwirkungen des Pilzbefalls sind bisher kaum untersucht worden. Man
beginnt erst jetzt allmählich damit.
Das Latenzstadium kann auch als chronische Infektion bezeichnet werden.
Chronisch pilzinfizierte Patienten gibt es mehr, als die üblichen
Statistiken ausweisen.
Der Nachweis einer chronischen Hefepilzinfektion ist aus folgenden
Gründen nicht einfach: Der Nachweis von Pilzen ist an sich noch
kein Beweis, daß eine Pilzkrankeit - eine Mykose - vorliegt.
Bestehen Befindensstörungen oder ernsthafte Beschwerden, so
können diese auch andeere Ursachen haben. Um kein Risiko einzugehen,
ist es im Falle von Krankheitserscheinungen stets geboten, nachgewiesene
Pilze vollständig zu beseitigen.
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Pilzallergie - Mykide
Dieses Gebiet hat noch eine große Zukunft vor sich. Grundlegende
Untersuchungen sind bereits hier und da im Anlaufen.
Allergische Erscheinungen auf der Haut, auf Schleimhäuten am
Gefäßsystem und in inneren Organen, die durch Pilzallergene
ausgelöst werden, gewinnen an Bedeutung.
Schon lange bekannt sind die sogenannten Mykide, die in Form von Flecken,
Knötchen, Bläschen, Pusteln oder Schuppen an der Haut auftreten,
wenn anderswo eine Mykose besteht, z.B. eine Nagelmykose.
Interessant ist die Beobachtung, daß ein Mykid gerade dann auftreten
kann, wenn eine Behandlung beginnt. Dies ist so zu erklären,
daß die Schädigung des Pilzes durch das Medikament
Stoffwechselprodukte des Pilzes freisetzt, gegen die der pilzbefallene
Mensch allergisch reagiert. Bei weiterer Zerstörung des Pilzes
verschwindet das Mykid, ohne daß es zusätzlich behandelt
werden muß.
Auch, wenn die körpereigene Abwehr die Pilze angreift und zu
zerstören beginnt, kann ein Mykid auftreten. So wurde bei Frauen
mit einer Pilzinfektion der Scheide beobachtet, daß an der Stirn
über den Augenbrauen eine ganz feine Schuppung auftrat, die ohne
Therapie verschwand, wenn die Pilzinfektion der Scheide ausgeheilt war.
Allergische Reaktionen an den Venen der Unterschenkel wurden von
Prof.Szodoray in Ungarn schon vor 30 Jahren auf den Pilzbefall an den
Füßen zurückgeführt. Dr.Fejér in Budapest
sowie Schulz in Hamburg und Forck in Münster befaßten sich
schon sehr früh mit dem Problem der Pilzallergie. Die aktuelle
Situation kommt in den Arbeiten von Ring und seiner Schule in besonderem
Maße zum Ausdruck, wobei auch die durch Pilzsporen verursachten
allergischen Erscheinungen berücksichtigt werden.
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Mykotoxine - Mykotoxikosen
Die hunderttausend Truthühner, die 196o in Schottland zugrunde
gingen, weil sie verschimmeltes Erdnußmehl gefressen hatten,
haben durch ihren Tod eine völlig neue Wissenschaft ins Leben
gerufen: die Lehre vom Gift der Kleinstpilze, der Mikromyzeten.
Diese Pilzgifte - Mykotoxine - sind hochpotente Krebsauslöser,
wie sich ergab, als Forellen verschimmeltes Futter in sich aufgenommen
hatten. Auch beim Menschen sind bereits Schäden aufgetreten, die
auf den Verzehr verschimmelter Nüsse, insbesondere Erdnüsse,
zurückzuführen waren.
Ursprünglich meinte man, nur Schimmelpilze würden Mykotoxine
produzieren, da es sich bei dem Truthahnvergifter um Aspergillus flavus
gehandelt hatte. Aus den Anfangsbuchstaben A und fla ergab sich auch der
Name des ersten isolierten Mykotoxins, des Aflatoxins. Inzwischen sind
mindestens acht verschiedene Aflatoxine bekannt und weit über l00
verschiedene Mykotoxine. Das Essen verschimmelter Nahrung ist also
problematisch geworden.
Heute weiß man, daß auch Hefepilze Mykotoxine bilden können.
Für Candida parapsilosis ist dies bereits bewiesen. Für Candida
albicans steht der sichere Beweis zwar noch aus, jedoch ist der Verdacht
gegeben. Die Beweisführung ist außerordentlich schwierig,
aufwendig und braucht Zeit, ist aber zu erwarten. Schon jetzt ist man gut
beraten, es gar nicht dazu kommen zu lassen, daß sich
Candida-albicans-Herde in den Hohlräumen des Menschen ansiedeln
dürfen. Ist es aber schon dazu gekommen, so sind Beschwichtigungsformeln
nachteilig für den Betroffenen.
Es stellt sich auch die Frage, ob es juristisch vertretbar ist, Krankheitserreger
zu verharmlosen. Wenn l0.000 deutsche Patienten pro Jahr durch solche
zuvor verharmloste Pilze sterben, ist eines Tages eine Prozeßlawine
in Sicht.
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Mykosen durch Hefepilze
Krankmachende (pathogene) Hefepilze können alle Teile der Haut
befallen, nicht nur die unbehaarte Haut. Auch die Haarfollikel sind nicht
sicher vor diesen Hefen. Fadenbildende Hefepilze, z.B. und an erster Stelle
Candida albicans, wachsen um den Haarschaft, herum, umspannen das Haar,
ohne daß eine einzige Sproßzelle zu sehen ist. So kommt es,
daß diese Fäden mit denen von Dermatophyten verwechselt werden.
Verwendet man nun Mittel, die nur gegen Dermatophyten wirken, z.B.
Griseofulvin oder Tolnaftat, dann wartet man vergeblich auf die Heilung
und vermutet, die Pilze seien resistent geworden, was natürlich nicht
der Fall ist, denn Hefepilze sind sowieso unempfindlich für diese
Mittel.
Es genügt niemals, aus dem Nachweis von Pilzfäden den Schluß
zu ziehen, es seien keine "Sproßpilze", sondern
"Fadenpilze", denn Candida albicans und enge Verwandte bilden
sowohl Fäden als auch Sproßzellen. Diese Tatsache wird
allzuhäufig vergessen oder nicht beachtet.
Auch die Nägel können von Hefepilzen befallen werden, besonders
der Nagelwall, vor allem dann, wenn die Nägel oft mit Wasser in
Berührung kommen, z.B. beim Gläserspülen, wenn pilzhaltiger
Speichel mit im Spiel ist.
Die Haut im äußeren Gehörgang reagiert mitunter allergisch.
In dieser Situation ist sie für Pilzbefall besonders anfällig.
Ahnlich wie die äußeren Oberflächen des Menschen werden
auch die inneren von krankmachenden Hefepilzen befallen. Keine Stelle
ist von vornherein geschützt. Voraussetzung ist natürlich,
daß es sich um Hefepilze mit krankmachenden Fähigkeiten
handelt nicht um Backhefe, Bierhefe und andere nützliche Hefepilze.
Die Atemwege sind normalerweise völlig frei von Pilzen. Wohl werden
gelegentlich Pilzsporen eingeatmet, sie werden aber durch die Flimmerbewegung
der feinen Härchen in den Bronchien wieder abgestoßen und mit
dein Auswurf nach außen befördert. Eine Ansiedlung von Pilzen
in den Atemwegen ist immer krankhaft.
In der Mundhöhle und im gesamten Verdauungskanal kommen Ansiedlungen
von krankmachenden Hefepilzen so häufig vor, daß man von einer
chronischen Infektion großer Bevölkerungskreise sprechen
muß. Diese "Verseuchung" ist vergleichbar mit dem
Wurmbefall in Ländern der Dritten Welt oder mit der Verbreitung von
Malariaparasiten.
Welche bisher nicht oder nur wenig beachteten Folgen eine chronische
Hefepilzinfektion hat, wird erst allmählich erforscht, z.B. der
Zusammenhang zwischen Zahnkaries und Pilzbefall der Mundhöhle oder
die Einflußnahme der Hefepilze im Darm auf Hautkrankheiten wie
Psoriasis und Neurodermitis. Auch die schädliche Wirkung der
giftigen Alkohole, die von Gärungshefen wie Candida albicans oder
Candida tropicalis im Darm produziert werden, auf die Leber ist bisher
zu selten untersucht worden.
Die Persorption ist ein Begriff, den jeder hefepilzbesiedelte Patient
kennen muß, um nicht ahnungslos vor Rätseln zu stehen. Im
Zwölffingerdarm und im Dünndarm befinden sich etwa 4 Millionen
Darmzotten, um die Oberfläche der Schleimhaut zu vergrößern,
damit die Nahrung rascher aufgenommen werden kann. In den Zotten befindet
sich der sogenannte Zottenkanal, der mit dem Lymphgefäßsystem
in Verbindung steht. In diesen Zottenkanal gelangen Fetttröpfchen
und sogar feste Teilchen durch natürliche Zellspalten oder - bei Krankheit -
an Abschilferungszonen. Befinden sich zwischen den Zotten Pilzherde,
dann können auch Pilzzellen von der Schleimhautoberfläche in
das Lymphsystem und damit dann in den Blutkreislauf gelangen.
Im Gegensatz zur Resorption, der Aufnahme der Nahrung direkt in die
Blutbahn, nennt man die Aufnahme über den Zottenkanal und die
Lymphgefäße Persorption. Je mehr Pilze sich im Darm befinden,
um so mehr können persorbiert werden und mit dem Lymph- und Blutstrom
in alle inneren Organe gelangen.
Sich dieses Risiko vor Augen zu halten, ohne sofort in Panik zu
verfallen, ist dann angebracht, wenn man hört oder liest, Pilze
hätte jeder, das sei alles harmlos und hätte keine Bedeutung.
Das Immunsystem würde damit fertig.
Bei einer solchen Argumentation wird unterschlagen - oder es fehlt an
Wissen -, daß sich Hefezellen alle 2o-3o Minuten verdoppeln
können, sofern genügend Nahrung vorhanden ist, am besten Traubenzucker.
Von einem Tag auf den andern können Mengen an krankmachenden
Hefepilzen entstehen, die lebensgefährlich sind. Dieses Risiko
muß zumindest jeder Schwerkranke kennen, wenn die Frage auftaucht,
ob man die Pilze bekämpfen soll oder nicht.
Pilze in der Blutbahn gelangen praktisch überallhin. Von bestimmten
Blutkörperchen können sie "gekillt" werden. Wenn
nicht zu viele Pilzzellen persorbiert wurden, dann werden alle vernichtet,
und kein Organ erkrankt. Auch innere Organe wie Leber und Milz sind
imstande, Pilzzellen abzutöten und aufzulösen. Über die
Nierenarterien gelangen Pilzzellen in die Gefäßknäuel
(Glomeruli) der Nierenrinde, durchwandern aktiv die Blutgefäßwand,
und werden mit dem Urin ausgeschieden. In diesem Falle wandern sie also
von innen nach außen.
Es kann auch vorkommen, daß ein Klümpchen Hefepilzzellen ein
kleines Blutgefäß - eine Kapillare - verstopft, also eine
Embolie verursacht. Aus den zirkulierenden Sproßzellen von Candida
albicans entstehen dann echte, septierte Pilzfäden, die aktiv die
völlig gesunde Blutgefäßwand durchwachsen und in das
umlegende Gewebe geraten, z.B. in die Netzhaut des Auges. Die dann
entstehenden Pilzherde werden allmählich so groß, daß
man sie mit Augenspiegel sehen und sogar fotografieren kann.
Kommt es zu solchen "Kapillarembolien" in den Blutgefäßen
der Haut, dann bricht die Hefepilzinfektion sozusagen von "innen
nach außen" auf. Es entsteht eine "sekundäre"
Pilzkrankheit der Haut. Diese Krankheit nur äußerlich zu
behandeln, ohne den Zusammenhang zu berücksichtigen, ist auf die
Dauer zum Scheitern verurteilt. Ohne die Sanierung der Verdauungswege,
wo die wahren Übeltäter im Verborgenen ihr Unwesen treiben
und sich so verstellen, daß sie von Unwissenden - gleich welchen
Berufes - für harmlos, normal, physiologisch oder gar notwendig
gehalten werden, um das Märchen vom "Gleichgewicht zwischen
Bakterien und Pilzen" am Leben zu halten, ohne die erfolgreiche
Pilzbekämpfung ist alles eitel.
Wenn von Gleichgewicht im mykologischen Sinne die Rede ist, dann ist
darunter immer das Gleichgewicht zwischen den angreifenden krankmachenden
Pilzen und der gegen dies Pilze möglicherweise wirksamen Abwehrkraft
des Menschen zu verstehen. Wird die Toleranzgrenze überschritten,
entsteht die Krankheit.
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Die Candida war ihr Schicksal
Patienten mit angeborener oder erworbener Immunschwäche erliegen
früher oder später der Infektion mit Candida albicans oder
eng verwandten pathogenen Hefepilzen der Gattung Candida.
Nur dann besteht Hoffnung, diesem Schicksal zu entgehen, wenn
frühzeitig - das heißt beim allerersten Nachweis dieser Pilze -
alle Anstrengungen gemacht werden, nicht nur diese Pilze wieder
loszuwerden, sondern auch wirksam dafür zu sorgen;, daß
keine erneute Ansteckung aus der Umgebung erfolgen kann.
Betroffen sind alle Patienten mit schweren Infektionen, alle HIV-Positiven,
alle Patienten mit Tumoren, insbesondere wenn Mittel gegeben werden
müssen, um die Abwehrkräfte vorübergehend zu hemmen oder
wenn Nebennierenrindenhormone (Kortikosteroide) längere Zeit
eingenommen werden.
Resignation ist fehl am Platz. Wo noch Leben ist, ist Hoffnung, der
Pilze Herr zu werden. Aber man muß vor allem als Patient genau
informiert sein, was zu tun und zu lassen ist.
Motto: An Pilzen stirbt man nicht, denn das ist vermeidbar.
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Compliance
Das vielgebrauchte, international verständliche Wort Compliance
bedeutet "Einverständnis". Der Patient ist einverstanden
mit den Verordnungen, die seine Genesung bewirken sollen. Dieses
Einverständnis zu gewinnen, damit der aufgeklärte Patient alle
Maßnahmen gewissenhaft durchführt, weil er von der Richtigkeit
und Notwendigkeit überzeugt ist, ist das Pendant auf seiten des
Arztes zur Compliance des Patienten.
Je besser der Patient sich informiert und informieren läßt,
um so mehr trägt er dazu bei, sein Schicksal selbst in die Hand zu
nehmen und zum Guten zu wenden.
Schon vor 100 Jahren hat man gesangt "Mykosen sind hauptsächlich
Krankheiten von Kranken." Das stimmt. Also muß bei jeder
Krankheit dafür gesorgt werden, daß Pilze nicht zusätzlich
schaden.
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Pilze im Genitalbereich
Zahlreiche Gründe werden diskutiert, wieso Pilzinfektionen vor allem
bei Frauen im Genitalbereich überdurchschnittlich zugenommen haben.
Zumindest haben sie an Bedeutung zugenommen, das wird auch von niemandem
bestritten.
Wer die Briefe der betroffenen Frauen liest, die verzweifelt Hilfe suchen,
muß bei Rückfragen immer wieder feststellen, daß die
Zusammenhänge zwischen Mykose (Pilzinfektion) im Genitalbereich und
Pilzen in Mund oder Darm fast unbekannt sind oder gar in Abrede gestellt
werden. Hier ist noch ein gerüttelt Maß an Aufklärung zu
leisten.
Aus rein anatomischen Gründen sind Männer im Genitalbereich
weniger betroffen, so daß es nicht gerechtfertigt ist, ohne jegliche
Untersuchung auf Pilze eine Therapie blind durchzuführen, zumal
verschlüsselte Antworten nicht immer sofort auf verfilzte Beziehungen
schließen lassen.
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Die pilzfreie Geburt
Als 1957 in Hamburg in der Frauenklinik Finkenau das erste Pilzlabor im
Rahmen der Gynäkologie und Geburtshilfe seine Tätigkeit
aufnahm, wurde von Prof. Dietel sofort angeordnet, daß vor der
Geburt die Geburtswege auf Pilzbefall untersucht wurden. Im positiven
Falle erfolgte die Behandlung. Dies war einfach zu praktizieren und galt
als Modell. Inzwischen ist geraume Zeit vergangen.
Vor einigen Jahren war geplant, alle Schwangere sollten "Soorprophylaxe"
betreiben, also gegen Pilze behandelt werden, ganz gleich, ob sie nun
Pilze hatten oder nicht. Schätzungen erbrachten, etwa 3o % der
Schwangeren seien pilzinfiziert. Tatsächlich waren es in bestimmten
Bezirken weniger als 10 %. Das nun 7o bis 90 % Pilzfreie gegen Pilze
behandelt werden sollten, eine solche Zumutung grenzte ans Groteske und
wurde demzufolge nicht weiterverfolgt.
Nun wird das Thema kontrovers diskutiert. Es werden sogar Stimmen laut,
die Pilze könnten getrost von der Mutter auf das Neugeborene
übertragen werden, es sei alles harmlos. Die Forderung, Neugeborene,
besonders Frühgeborene, müßten vor Pilzinfektion
geschützt werden, wird jedoch sofort als wichtig erkannt, wenn die
Eltern von dem tatsächlichen Ausmaß des Risikos erfahren,
das ja in manchen Fällen weitaus größer ist, als
"nur" Mundsoor oder "nur" Windeldermatitis zu
bekommen, die auf die plastikbeschichteten Einmalwindeln zurückgeführt
wird wie früher auf das Gummihöschen, zumal "der
(mit Soor ganz normal bewohnte) Darm nicht zu sanieren ist."
Solange Derartiges gedruckt wird, werden die Behandlungserfolge
beeinträchtigt.
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Verantwortung
Die Formulierung "Jedes Neugeborene hat einen Rechtsanspruch auf
pilzfreie Geburtswege" läßt anklingen, daß
der Mensch, wenn er das Licht der Welt erblickt, vor Krankheitserregern
geschützt. werden muß. Es ist nun die Frage, wer die
Verantwortung dafür trägt. Juristisch ist der Fall eindeutig:
Wer das Sorgerecht hat, der muß dafür Sorge tragen, daß
die Gesundheit geschützt wird. Die Ärzteschaft und die
Pharmazeutische Industrie sind insofern mit eingeschaltet, als sie nach
bestem Wissen und Gewissen mitwirken.
Um Verantwortung zu tragen, braucht man Sachkenntnisse. Um sich sachkundig
zu machen, liest man Schriften wie die vorliegende.
Da die Mykologie, wie Prof. Staib vom Robert-Koch-Institut des
Bundesgesundheitsamtes publiziert hat, lange Zeit ein "Stiefkind
des Gesundheitswesens" war, ist die Öffentlichkeit mit
gesichertem Wissen über Infektionen durch Hefepilze noch zu wenig
vertraut.
Erwachsene, soweit sie pilzinfiziert sind, tragen selbst die
Verantwortung dafür, ob sie diese Pilze an sich oder in sich dulden
wollen oder ob sie ohne diese Schmarotzer vielleicht Beschwerden und
Störungen loswerden, die man bisher gar nicht auf die Pilze bezogen
hatte.
Gerade in dieser Hinsicht ist in den nächsten Jahren mit neuen
Erkenntnissen zu rechnen.
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Nachweismethoden
Die Technik der Untersuchung auf Pilze wird in Praxis-Seminaren erlernt.
Dies unterscheidet sich erheblich von der Methodik, die zum Nachweis von
Bakterien angewendet wird. Sie ist viel aufwendiger. Das Untersuchungsmaterial
wird in den meisten Fällen speziell aufbereitet, bis es mit Aussicht
auf Erfolg mikroskopisch oder mit Hilfe von Pilzkulturen untersucht werden
kann.
Beispiel: Bevor Material von der Haut oder von den Nägeln entnommen
wird, muß die Entnahmestelle mit 7o%igem Alkohol kräftig
gereinigt werden, damit keine Anflugkeime entnommen werden. Grobe
Hautschuppen und Krusten sowie krank aussehende Teile der Nagelplatte
werden weitgehend entfernt und verworfen, da in diesem Material die Pilze
meist schon gestorben oder mit störenden Bakterien vermischt sind.
Die lebenden Pilze befinden sich am Rande zum noch gesund aussehenden
Gewebe, in das die Pilze hineinwachsen. Ganz feine Hautschuppen werden
mit einem geeigneten Instrument so reichlich entnommen, daß
mindestens ein Dutzend Schüppchen oder feinste Nagelspäne
für die mikroskopische Untersuchung und die doppelte Menge für
die Pilzkultur zur Verfügung stehen.
Bei Haaren werden nur die Haarstümpfe mit einer Haarpinzette
ausgezupft und untersucht.
Die mikroskopische Untersuchung erfolgt nach Erweichung bis Auflösung
der Hornsubstanz in geeigneten Flüssigkeiten. Für die
Pilzkultur werden sogenannte Pilznährböden verwendet, auf denen
die Pilze sich innerhalb von Tagen bis Wochen entwickeln und anhand ihrer
Wuchsform und Fruchtbildung identifiziert werden können. Dies
erfordert Wissen, Zeit und Geduld.
Die Gewinnung von Mundhöhlenabstrichen, Sputum und Bronchialselkret
sowie Vaginalsekret und Stuhl erfordert ebenfalls angemessene Techniken.
Bei Stuhlproben ist z.B. zu beachten, daß die Pilze - meist
Hefepilze - nicht gleichmäßig verteilt sind wie Bakterien
sondern nesterweise angesiedelt sind. Deshalb ist von zahlreichen Stellen
einer Stuhlportion eine winzige, Menge zu entnehmen, zu mischen und erst
dann zur Untersuchung zu geben.
Auswurf (Sputum) darf nicht mit Speichel vermengt sein, wenn eine Aussage
über einen eventuellen Pilzbefall der Atemwege erforderlic ist.
Deshalb wird vor der Entnahme die Mundhöhle zweimal kräftig mit
einem Desinfektionsmittel ausgespült und erst dann der Auswurf in
ein steriles Gefäß "ausgehustet".
Urin wird als "Mittelstrahlurin" in einem sterilen Gefäß
aufgefangen und in einem sterilen Zentrifugenröhrchen zentrifugiert,
dann mikroskopisch und kulturell untersucht.
Nur bei strenger Beachtung dieser Nachweismethoden ist mit korrekten
Ergebnissen zu rechnen.
Pathogene (krankmachende) Hefepilze
Das Wort "Hefen" stammt von "heffen" = "heben".
Damit war gemeint, daß Organismen, die z.B. den Sauerteig
"heben", demzufolge Hefen sind. Tatsächlich sind bei
natürlichen Gärungen aber nicht selten Gemische aus Bakterien
und Pilzen wirksam. Demzufolge gab es also sowohl Hefebakterien als auch
Hefepilze. Pilze haben einen organisierten Zellkern, Bakterien aber nicht,
ein fundamentaler Unterschied.
Heute gibt es zwar den Begriff Hefebakterien nicht mehr, aber die immer
wieder verwendete Ausdrucksweise "Hefen und Pilze", "Hefen
oder Pilze", "Hefen und/oder Pilze" läßt darauf
schließen, daß Hefen "gefühlsmäßig"
noch nicht zu den Pilzen zählen. Ein Anachronismus!
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Die Hefepilzgattung Candida
Die Gattung Candida umfaßt ungefähr 200 verschiedene Arten.
Nur ein relativ kleiner Teil kann beim Menschen Krankheiten verursachen,
wie die Tabelle 1 erkennen läßt.
Tabelle 1: Beispiele pathogener und nichtpathogener Candida-Arten
pathogen |
nichtpathogen |
| Candide albicans |
Candida kefyr (Kefirpilz) |
| Candida glabrata |
Candida robusta (Backhefe) |
| Candida guilliermondii |
Candida vini (Weinhefe) |
| Candida krusei |
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| Candida parapsilosis |
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| Candida tropicalis |
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Candida albicans ist die einzige Art, die typische Chlamydosporen
bildet und daran sicher zu erkennen ist. Alle anderen Arten müssen
biochemisch voneinander unterschieden werden, insbesondere durch
Prüfung der Vergärung, der Assimilation und des Verhaltens
gegenüber anderen Substanzen.
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Andere Hefe-Arten
In anderen Hefegattungen befinden sich nur sehr wenige Arten mit der
Fähigkeit, beim Menschen Krankheiten zu verursachen. Einige sind
in Tabelle 2 aufgeführt.
Tabelle 2: Humanpathogene Hefen, die nicht zu Candida gehören
| Cryptococcus neoformans |
| Sporobolomyces salmonicolor |
| Pityrosporum ovale |
| Rhodotorula rubra |
| Trichosporon cutaneum |
Die wichtigste Hefe dieser Gruppe ist Cryptococcus neoformans, der
Erreger der Cryptococcose, die bisher sehr selten war, nun aber bei
AIDS-Kranken verhältnismäßig häufig zum Tode
führt. Dieser Pilz wird durch Vogelexkremente übertragen.
Die Vögel sind selbst nicht krank, der Pilz wandert lediglich durch
den Vogel hindurch und wird auf diese Weise verbreitet.
Pityrosporum ovale ist in den letzten Jahren insofern bedeutungsvoll
geworden, indem diese Hefe im Zusammenhang mit der Seborrhoischen
Dermatitis steht.
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Hefeähnlicher Milchschimmel
Ein weißlicher Schimmelpilz, der zu den wertvollen Speisepilzen
zählt und jeden Harzer Käse, jedem Camembert und vielen
anderen Käsesorten zur Reifung und Geschmacksbildung zugesetzt wird,
ist Geotrichum candidum. Unter dieser Bezeichnung ist der Pilz fast
unbekannt, als, Milchschimmel auf Quark, auf Dickmilch in Form eines
feinen Flaums fast jedem schon begegnet.
Da Geotrichum candidum bei 37ºC hefeähnlich wächst
- cremeartig und zunächst ohne Luftmyzel -, wird die Kultur sehr
häufig mit Hefepilzen verwechselt, sogar mit Candida albicans.
Die Fäden im Agar und die bei Zimmertemperatur entstehenden
Lufthyphen zerfallen in Gliederstücke (Arthrosporen), die mit den
Sproßzellen der Hefen verwechselt werden. In der Mundhöhle,
im Stuhl, sogar im Vaginalsekret ist mit seinem Vorkommen zu rechnen,
wenn Käse gegessen wird. Erst wenn die Öffentlichkeit
darüber informiert ist, besteht Hoffnung, daß die
Verwechselungen weniger werden.
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Candio-Hermal-Behandlung der Hefepilzinfektionen
Für die örtliche Behandlung (topische Therapie) steht
Candio-Hermal mit dem Wirkstoff Nystatin in Zubereitungsformen zur
Verfügung, die dem Sitz, dem Ausmaß und dem
Ausprägungsgrad der Krankheitserscheinungen angepaßt sind
und eine umfassende Heilung ermöglichen. Da der Wirkstoff
äußerlich und innerlich nur auf Oberflächen eingesetzt
wird und in therapeutischen Dosen nicht resorbiert wird, entstehen auch
keine zentral bedingten Nebenwirkungen, die stören könnten.
Die Basis- und Begleitstoffe der verschiedenen Zubereitungen sorgen
für dafür, daß Mystatin am eingesetzten Ort freigesetzt
und verfügbar wird.
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Nystatin und Amphotericin - seit Jahrzehnten bewährt
Nur verhältnismäßig wenige Arzneimittel sind so wirksam
und verträglich, daß sie ihren festen Platz im Arzneischatz
seit Jahrzehnten behaupten. Hierzu gehört das vor allem gegen
krankmachende Hefepilze wirksame Nystatin, das 1950 als Naturprodukt
eines Strahlenpilzes entdeckt wurde. Der Name setzt sich aus den
Anfangsbuchstaben N,Y und Stat zusammen, da die Entdeckerinnen Hazen
und Brown am New York State Department tätig waren.
Ganz besonders wichtig sind zwei Tatsachen:
1. Nystatin und Amphotericin werden nicht in therapeutisch wirksamer
Menge von der Schleimhaut aufgenommen; es verbleibt so lange im Hohlraum
des Verdauungstraktes oder in den Atemwegen, bis es wieder ausgeschieden
wird. Dies bedeutet hohe Wirksamkeit gerade dort, wo die wichtigsten Pilzreservoire
sitzen, von denen die Rückfälle ausgehen und deren Beseitigung
dringend erforderlich ist.
2.Gegen Nystatin findet keine Resistenzentwicklung statt, die zur
Unwirksamkeit führen würde. Gegenteilige Behauptungen und
Befunde in Laboratoriumsberichten, die Nystatinresistenz von Candida
albicans unterstellen, beruhen auf falsche Technik. In solchen
Fällen wurde Nystatin so geprüft, als ob es von der
Darmschleimhaut, aufgenommen und in die Blutbahn transportiert
würde.
Die Nystatinempfindlichkeit der verschiedenen Hefen schwankt von Natur
aus. Dies wird aber bei den empfohlenen Dosierungen berücksichtigt.
Man muß allerdings dafür sorgen, daß die verordneten
Mengen auch tatsächlich zugeführt werden.
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Säureschutzmantel der Haut gegen Pilze wirkungslos
Eine weitverbreitete - leider - falsche Meinung bedarf dringend der
Richtigstellung. Auch wenn es ständig wiederholt wird, bleibt es
trotzdem falsch: Der Säuremantel sei auch ein Schutz gegen Pilze.
Es stimmt nicht. Er schützt nur gegen eine Reihe von Bakterien,
aber gar nicht gegen Pilze. Im Gegenteil: Pilze zerstören sogar
den Säuremantel der Haut. Insbesondere krankmachende Hefepilze
gedeihen sogar noch bei hohen Säuregraden.
Alle gegenteiligen Behauptungen beruhen auf Analogieschlüssen.
Immer wieder werden Pilze und Bakterien in einen und denselben Topf
geworfen. Robert Koch kannte den Ausdruck Bakterien noch nicht. Er
nannte die Bakterien "Spaltpilze". Das ist unterdessen nur
noch historisch interessant.
Konsequenz: Gegen Pilze helfen pilzhemmende und pilztötende
Antimykotika. Wenn Säure zu helfen scheint oder wirklich hilft,
dann waren es keine Pilze, sondern Bakterien.
Im Magen ist die Situation ähnlich: Die Salzsäure des Magens
ist gegen säureempfindliche Bakterien wirksam. Auch Backhefe kann
durch stärkere Säure aufgelöst werden, nicht jedoch
Candida albicans und andere krankmachende Hefepilze. Diese
überstehen Säuregrade, die niemals im Magen vorkommen.
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Farbstoffe sind Ätzmittel
Die früher übliche und auch heute noch hier und da praktizierte
Behandlung der Soorbelege auf der Zunge sollte längst ablöst
sein durch die Verwendung von farblosen Medikamenten wie Nystatin
(Candio-Hermal). Bei den blauen Farbstoffen handelt es sich um
Ätzmittel wie Tintenstift. die man keinesfa11s verschlucken darf.
Der Vorteil dieser Farbstoffe besteht unter anderem darin, daß
keine Beipackzettel mitgeliefert werden, auf denen vor den Nebenwirkungen
gewarnt wird. Nur mündliche Warnungen, falls sie überhaupt
gegeben werden, verschwinden bei Eltern und Betreuern der Kinder rasch
wieder aus dem Bewußtsein.
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Anti-Pilz-Diät
Diese spezielle Diät für akut oder chronisch hefepilzinfizierte
Patienten beruht auf zwei Prinzipien:
1. Das Kohlenhydratangebot in der Nahrung muß deutlich verringert
werden, damit den Hefen der wichtigste Bau- und Betriebsstoff mehr und
mehr entzogen wird. Damit wird die Vermehrung der Pilze deutlich
verlangsamt.
2. Die wichtigsten Schlupfwinkel für die Hefen sind die
Zottenzwischenräume im unteren Zwölffingerdarm und im
Dünndarm. Zwischen den 4 Millionen Darmzotten können sich
große Mengen Pilznester befinden, die mit Hilfe von Pflanzenfasern
mechanisch ausgeräumt werden. Dadurch gelangt auch Nystatin bis in
die tiefsten Winkel, so daß auf diese Weise tatsächlich eine
echte Darmsanierung erreichbar ist.
Eine solche Darmsanierung - für die es spezielle Merkblätter
und Broschüren gibt - muß solange streng durchgeführt
werden, bis die Pilze aus dem Stuhl verschwunden sind. Nach der ersten
negativen Stuhlprobe kann die Diät gelockert werden, nach dem
dritten negativen Ergebnis geht man wieder zu normaler vitaler
Vollwertkost über.
Wer die Anti-Pilz-Diät ernsthaft durchführen will, tut gut
daran, zu Beginn drei Tage hindurch alles genau aufzuschreiben, was
tatsächlich zu welcher Uhrzeit. und in welcher Menge gegessen und
getrunken wurde. Diese Aufstellung spricht man dann mit seiner
Ärztin oder seinem Arzt durch und erkennt, wo Verbesserungsmöglichkeiten
sind. Praktisch bedeutet dies fast immer: Die Einkaufsgewohnheiten erst
einmal ändern. Eine Anti-Pilz-Diät, die "so gut wie
möglich" durchgeführt wird, taugt so gut wie gar nichts.
Sobald einem dies richtig klar geworden ist, sind die Aussichtlen, die
Pilze wirklich loszuwerden, optimal.
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Hefepilze und Diabetes
Diabetiker leiden besonders häufig unter Pilzinfektionen in
verschiedenen Körperregionen. Der Grund dafür besteht darin,
daß Hefepilze den erhöhten Traubenzuckerspiegel des Diabetikers
als wichtigste Nahrungsquelle nutzen. Je mehr Traubenzucker, um so
üppiger ist die Vermehrung. Deshalb müssen Diabetiker besonders
gut eingestellt werden.
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Hygienebewußt leben
Maßnahmen der Hygiene dienen einerseits der Ansteckung durch
Krankheitserreger, wozu auch krankmachende Pilze gehören.
Andererseits soll aber auch die Wiederansteckung verhindert werden.
Angesichts des hohen Durchseuchungsgrades der Bevölkerung allein
mit Candida albicans ist das keine leichte Aufgabe. Manche Gepflogenheit
muß geändert werden, z.B. das Benutzen von Zahnbürsten
und Waschlappen ohne regelmäßige Desinfektion, das Tragen von
Zahnprothesen, an denen die Pilze geduldet werden, die Verwendung
luftdicht sitzender Windeln, die Unsitte, Säuglinge mit
Löffeln zu füttern, die Erwachsene vorher selbst in den Mund
nehmen, in den sich Schmarotzerpilze in kleiner Menge befinden
können, ohne schon Krankheitserscheinungen hervorzurufen.
Leider werden alle diese Maßnahmen sabotiert, wenn von hoher Warte
verkündet wird, Candida albicans gehöre zur völlig normalen
Darmflora. Zehntausend Tote durch Candida albicans pro Jahr allein in
Deutschland sind die Folge solcher Bagatellisierung und Verharmlosung.
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Schlußwort
Erfolgreiche Bekämpfung krankmachender Hefepilze verbessert die
Lebensqualität. Es lohnt sich wirklich, den pathogenen Pilzen
Paroli zu bieten, denn ohne sie lebt man gesünder.
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