Anti-Pilz-Diät gegen
pathogene Hefen im Intestinaltrakt
 

Die Tatsache, daß schwerkranke Patienten infolge einer Sekundärinfektion durch pathogene Hefen in Lebensgefahr geraten können, war schon Mitte des vorigen Jahrhunderts - also lange vor der Antibiotika-Ära - den Ärzten geläufig. Soormykosen gelten seitdem als "Krankheit von Kranken" und als "signum mali ominis", insbesondere auch auf Intensivstationen.

Der Nachweis, daß Hefen aus dem Dünndarm durch die Zotten-Kanäle im Lymph- und Blutbahn gelangen, Kapillarembolien verursachen, in Fadenform durch die Gefäßwand herauswachsen und Nieren, Gehirn, Augen und andere Organe befallen, hat den Blick mehr und mehr auf die Hefebesiedlung des Intestinaltraktes gelenkt.

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Die Toleranzgrenze

Der gesunde Mensch kann bis zu einer variablen Grenze in Lymph- und Blutbahn gelangende Hefen so lange ohne Krankheitserscheinungen tolerieren, bis die körpereigene Abwehr die Hefezellen zerstört hat. Es wird geschätzt, daß ein gesunder Organismus bis zu 10 Hefezellen pro Gramm Darminhalt tolerieren kann, ohne eine Mykose auszulösen.

Bei Schwerkranken, insbesondere bei Fieberkranken ist dies jedoch nicht der Fall, vor allem dann, wenn antibakterielle Antibiotika, Glukokortikoide, Immunsuppressiva oder Zytostatika gegeben werden müssen. Diese Kranken tolerieren nur noch sehr geringe Hefemengen, so daß eine antimykotische Therapie erforderlich ist.

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Reduzierung der pathogenen Hefen

Nicht resorbierbare Antimykotika, peroral zugeführt, sind imstande, der Weitervermehrung der Hefen im Darm entgegenzuwirken und bei ausreichend hoher Dosierung die Hefen abzutöten.

Der Erfolg hängt davon ab, ob alle Hefenester zwischen den Zotten des Dünndarmes oder in den Haustren des Dickdarms, gelegentlich auch in Divertikeln, von dem Wirkstoff in fungistatischer oder -besser- fungizider Konzentration erfaßt werden.

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Peroral: Nystatin und Amphotericin B

Bewährt haben sich vor allem Präparate, die nicht resorbierbares Amphotericin B enthalten.

Wird der Wirkstoff schon in den oberen Darmabschnitten resorbiert, dann wandert er mit dem Blutstrom in die verschiedenen Organe, um dort zu wirken; die resorbierte Menge fehlt jedoch dann in den unteren Darmabschnitten und kann die dort befindlichen Hefen nicht abtöten.

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Nahrungsentzug für Hefen

Hefen -wie alle Pilze- brauchen eine organische Kohlenstoffquelle. Da sie nicht imstande sind, aus Kohlendioxid und Wasser Kohlenhydrate aufzubauen. Am leichtesten zugänglich ist der organische Kohlenstoff in einfachen Zuckern -Monosacchariden- wie Traubenzucker und Fruchtzucker.
Je mehr Zucker der Hefen zur Verfügung steht, um so besser gedeihen sie. In einer einzigen Nacht können sie sich mehrmals verdoppeln. Bei 10 Verdoppelungen sind aus 10 Zellen bereits 10.000.000.000 Zellen entstanden.

Entscheidend dafür ist das Nahrungsangebot, vor allem an leicht verwertbaren Kohlenhydraten: Traubenzucker, Fruchtzucker, Rohr- und Rübenzucker, Malzzucker, Honig, Süßigkeiten aller Art, Schokospeisen, Reis, Pudding, feine Backwaren, Pralinen und Bonbons, Gelee und Marmelade.

Die erste Maßnahme besteht also darin, den Hefen all diese Stoffe zu entziehen. Gemüse und grüne Salate, Milchprodukte, Eierspeisen, Fleischgerichte bieten genügend Möglichkeiten, das jeweilige Krankheitsbild zu berücksichtigen. Die darin enthaltenen Kohlenhydrate reichen aus, um den Bedarf zu decken.

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Ausräumen der Hefenester mit Pflanzenfasern

Reichlich Zufuhr von Pflanzenfasern ist erforderlich, um die Hefenester im Dünndarm und Dickdarm zu beseitigen, und zwar auf mechanische Art, durch Verdrängung.

Alle Gemüse und Salate können auch in stark zerkleinerter Form gegeben werden. Mehrmals täglich zugeführt ist die ausräumende Wirkung der Pflanzenfasern besonders eindrucksvoll. Auf diese Weise gelangen die peroral gegebenen Antimykotika rascher an die Hefenester.

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Eßlust und Süßes

Der von Darmhefe besiedelte Mensch hat großen Appetit auf Süßes. Man muß sich wundern, wie schwierig es ist, den verpilzten Patienten von dieser Eßlust anzubringen. Es entsteht mitunter der Eindruck, der Pilz habe seinen Wirt umprogrammiert, damit dieser im Dienste des Parasiten wirkt und gegen seine eigenen Interessen verstößt.

In dieser Situation kommt dem ärztlichen Gespräch besondere Bedeutung zu. Je anschaulicher und einleuchtender es ist, um so eher läßt sich die pathogene Verhaltensweise des Patienten ändern.

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Beispiel für Anti-Pilz-Diät
Morgens nüchtern: 2 Eßlöffel kleingeschnittenes Sauerkraut oder 2 Eßlöffel Weizenkleie in warmen Wasser.
Frühstück: 1 Scheibe Knäckebrot. Butter, Käse. Wurst nach Wahl, Joghurt. Keinen Orangensaft und dergleichen.
Ein Frühstücksbüffet bietet zwar eine Menge Abwechslung, aber darunter auch Verlockung, denen man widerstehen sollte, wenn man seine parasitischen Pilze ernsthaft loswerden will.
Diabetiker-Konfitüre enthält statt Saccharose andere Zucker, z. B. 42-44 % Fruchtzucker -Fructose-, die der Diabetiker in seiner Diät als Austauscher verwenden darf, ohne das ihm schadet. Die Pilze vermehren sich aber auch von Fructose, so daß sie genauso eingeschränkt werden muß wie Glucose, Saccharose oder Maltose.
2. Frühstück: Quark, Tomaten, Gurken, rote Beete. Als Getränk verschiedene Teesorten zur Wahl, ungesüßt oder mit Süßstoff, auch Kaffee, klare Brühen, Milch, Buttermilch, Dickmilch, Joghurt.
Mittagessen: Fisch oder Fleischspeisen, auch Würstchen oder Corned Beef, Kartoffeln in jeder Zubereitungsform. Keinen Reis, keine Nudeln, keine Makkaroni oder Spaghetti. Aber sehr reichlich Gemüse oder Salate, je vielseitiger um so besser, auch Dosengemüse - davon etwas mehr, um den Vitaminverlust durch die Konservierung auszugleichen, z. B. Spargel, Mohrrüben, Schwarzwurzeln, auch Champignons, Pfifferlinge, Steinpilze, Mischpilze. Aber keine Süßspeise, keine Weintauben, keinen Kompott. Als Getränke trockener Wein, Mineralwasser, Tomatensaft.
Nachmittags: Kaffee, Tee, Knäckebrot, Quark, Tomate.
Abendessen: Kartoffelsalat, Tomaten, Wurzeln, Zucchini, Gurken, rote Beete, Artischocken, Spargelsalat, Blumenkohlsalat, Auberginen, Selleriesalat und ähnliches; auch mal Sojakeime, Weizenkeimlinge, Bambussprossen oder Wasserkastanien, Endivien, Chichoree und Escarol. 1-2 Scheiben Knäckebrot, Fleisch oder Fisch nach Belieben. Als Getränke alles, was keinen Zucker enthält, auch keine Obstsäfte - außer verdünnten Zitronensaft, nach Geschmack mit Süßstoff gesüßt.
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Gemüse und Salate

Wer sich ernsthaft auf die Anti-Pilz-Diät einstellt, wird staunen, daß mehr als 5 Dutzend Gemüse- und Salatsorten erhältlich sind, weit mehr als in dem Beispiel angeführt. Es macht direkt Spaß, auch mal ausländische Erzeugnisse auf den Tisch zu bringen, etwa Okraschoten türkischer Herkunft, Radiccio oder Pepperoni aus Italien oder Squash, mitunter als Spaghettikürbis bezeichnet.

Manches ist bei uns schon heimisch geworden, wie etwa Brokkoli, Chinakohl oder Paprika, anderes war schon fast vergessen: Wer kennt noch Mangold, Stielgemüse, Melden und Pastinaken? Feldsalat ist wieder "in".

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Wie lange durchhalten?

Die Zeitdauer hängt von dem Ausmaß der Pilzbesiedelung des Intestinaltraktes ab.

1-2 Wochen strenge Diät ist ein guter Anfang, dann einige Wochen abgemildert mit Einlage von 1-2 Tagen pro Woche, an denen an die erste Zeit wieder angeknüpft wird.

Auf diese Weise werden nicht nur Pilze reduziert, sondern bei Übergewichtigen auch manches unerwünschte Polster. Auf Kosten der Pilze wird die Figur verbessert.

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Literaturhinweise

1. Rieth, H.: Hefe-Mykosen, Urban & Schwazenberg, München, Wien, Baltimore, 1979.
2. Rieth, H.: Anti-Pilz-Diät: Pilze auf Haut und Schleimhaut. GIT-Suppl. 6/1984. S. 38
3. Rieth. H.: Pilzdiagnostik - Mykosentherapie. Sammelband I-IV, 5. Auflage, notamed-Verlag, Melsungen 1985.